Neues Leben am Fluss

Neues Leben am Fluss

Ein Biotop aus Menschenhand

Der Landkreis Leer als zuständige Genehmigungsbehörde hat den Bau des Tidepolders Coldemüntje genehmigt. Der entsprechende Planfeststellungsbeschluss trägt das Datum 13. August 2021. Der Beschluss ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Nach der öffentlichen Auslegung, die am 14. September endet, haben Betroffene die Möglichkeit, den Beschluss zu beklagen. Sollte das nicht erfolgen, würde die Genehmigung mit den entsprechenden Auflagen Mitte Oktober rechtskräftig. Der Tidepolder Coldemüntje ist das erste Projekt zur Schaffung tidebeeinflusster Lebensräume an der Ems, wie sie im Masterplan Ems 2050 vereinbart wurde.

 

Von besonderem Interesse war während der gesamten Planungsphase der Verbleib des Aushubs aus der Polderbaustelle. Der Genehmigung entsprechend wird das Vorhaben wie folgt ablaufen:

 

Von den 340.000 Kubikmetern Aushub:

 

- bleiben rund 171.000 Kubikmeter im Plangebiet selbst. Daraus werden ein erhöht verlaufender Rundweg mit drei Aussichtspunkten entstehen. Der Polder wird hierüber für Naturliebhaber erschlossen. Es wird ein Parkplatz für Autos und Fahrräder eingerichtet.

 

- werden rund 80.000 Kubikmeter für die Erhöhung der Deichberme an der Ems zwischen Tidepolder und Völlen verwendet. Das ist eine Strecke von rund sechs Kilometern. Die Baumaßnahme wird zeitgleich mit dem Bau des Polders erfolgen.

 

- werden rund 89.000 Kubikmeter auf landwirtschaftlichen Flächen direkt am Polder aufgetragen, die anschließend wieder von den Landwirten als Grünland genutzt werden. Rund 38 Hektar Fläche werden so um durchschnittlich 25 Zentimeter aufgehöht. Vorläufige Einverständniserklärungen der Flächeneigentümer liegen vor. Konkrete Verträge werden aktuell abgestimmt und geschlossen.

 

Mit diesem Konzept wird der Transport von Aushub auf den Straßen durch die Deichdörfer auf ein absolutes Mindestmaß reduziert. Das war die Hauptvoraussetzung, um die Zustimmung der Gemeinde Westoverledingen erhalten zu können.

 

Ein Schwerpunkt der ökologischen Maßnahmen im Masterplan Ems 2050 ist, verlorengegangene natürliche Lebensräume am Fluss wiederherzustellen. Die Besonderheit dieser Biotope ist, dass sie von Ebbe und Flut beeinflusst werden, also zeitweise trockenfallen und dann wieder überflutet werden. Dort entwickeln sich Flachwasserzonen, Brack- und Süßwasserröhrichte, Sand- und Schlickwatten sowie Tideauwald.

 

Ein solches Biotop soll im Bereich des ehemaligen Emsbogens bei Coldemüntje in der Gemeinde Westoverledingen verwirklicht werden. Bei dem Gebiet, das hinter dem Emsdeich liegt, handelt es sich um die Überreste einer ehemaligen Emsschleife, die bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts abgeschnitten wurde. Der damals entstandene Grotegaster Altarm verlandete, wurde mit Baggergut aus der Fahrwasserunterhaltung aufgefüllt und zu einem späteren Zeitpunkt durch den Bau der neuen Hauptdeichlinie vollständig von der Ems getrennt. Heute finden sich hier ein verlandender See und wenig artenreiche Biotope.

Bildrechte: NLWKN

Aktuelles:

 

Der Bau des Tidepolders Coldemüntje (Gemeinde Westoverledingen) ist vom Landkreis Leer als zuständiger Planfeststellungsbehörde genehmigt worden. Der Planfeststellungsbeschluss mit allen dazugehörigen Unterlagen wird von der Gemeinde Westoverledingen vom 1. bis zum 14. September im Rathaus in Ihrhove, Bahnhofstraße 18, Zimmer 29, 2. OG, während der Dienstzeiten öffentlich ausgelegt.

 

Zusätzlich sind der Planfeststellungsbeschluss, die Planunterlagen und die Bekanntmachung im UVP-Portal des Landes Niedersachsen unter uvp.niedersachsen.de/startseite unter der Rubrik "Verfahrenstypen > Zulassungsverfahren in der Kategorie Wasserwirtschaftliche Verfahren" veröffentlicht. Im Anschluss an die Auslegung haben Betroffene binnen eines Monats die Möglichkeit, Klage gegen den Beschluss beim Oberverwaltungsgericht Oldenburg einzureichen. Sollte es zu keiner Klage kommen, würde die Genehmigung für den Bau des Polders Mitte Oktober rechtskräftig.

 

Der Tidepolder Coldemüntje wurde vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) als erstes Projekt des Masterplans Ems 2050 zur Schaffung ästuartypischer Lebensräume geplant. Der eigentliche Bau des Polders soll im Frühjahr 2022 beginnen, ab Oktober / November 2021 sollen vorbereitende Maßnahmen (z.B. Baufeldräumung, Anlage eines Teiches, Bodenuntersuchungen) auf der Baustelle begonnen werden.