Der Schlick wird ausgesperrt

Der Schlick wird ausgesperrt

Das Emssperrwerk als Instrument der Tidesteuerung

Die Technik des Emssperrwerks bei Gandersum ist auf zwei Funktionen ausgelegt: Sturmflutschutz und temporärer Stau der Ems für die Überführung von Kreuzfahrtschiffen der Meyer Werft. Derzeit wird geprüft, ob Bauwerk und Sohlsicherung auch für eine Tidesteuerung zur Verringerung des Schlickeintrags in den Fluss geeignet sind. Derzeit wird dazu eine Machbarkeitsstudie unter Federführung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erstellt. Sie soll bis Ende 2016 vorliegen.

Kern der Idee ist es, die Heftigkeit der Flut zu reduzieren und die Kraft der Ebbe zu verstärken, damit mit der Flut insgesamt weniger Sedimente und Schwebstoffe in die Ems eingebracht werden und der Ebbstrom mehr davon aus dem Flusssystem herausspülen kann. Die hohe Sedimentbelastung gilt als das Hauptproblem für die Gewässergüte der Unterems. In der Studie wird die technische Machbarkeit verschiedener Ansätze geprüft und damit die Grundlage für weitergehende Untersuchungen der Wirksamkeit geschaffen.

Die Forschungsstelle Küste (FSK) untersucht dabei modelltechnisch derzeit die Möglichkeiten, mit dem Sperrwerk die Tide möglichst optimal zu beeinflussen, um den Schlickeintrag zu verringern. Dafür soll der Flutstrom durch eine zeitweise Einschnürung des Flussquerschnitts reduziert werden. Abhängig vom Grad der Einschnürung und der Variante welche der Öffnungen geschlossen werden (und in welchem Ausmaß) – kann sich die Fließgeschwindigkeit in den verbleibenden Durchlässen erhöhen. Da dabei die Gefahr von Auskolkungen besteht (die Bildung von Vertiefungen im Flussbett durch Wegschwemmen von Material), erfordert diese Vorgehensweise eine Sicherung des Flussgrunds.

Ein Gutachter hat inzwischen eine Vielzahl von möglichen Torsteuerungen untersucht, um zu ermitteln, wie sehr ein dauerhafter Tidesteuerungsbetrieb den Grund der Ems am Sperrwerk in Mitleidenschaft ziehen würde. Dabei wurde eine Variante entwickelt, die erwarten lässt, dass die dafür nötigen Sohlsicherungsmaßnahmen machbar erscheinen. Derzeit kann nach Aussagen der Gutachter davon ausgegangen werden, dass das Sperrwerk selbst (Tore und Antriebe) für diese Variante nicht ertüchtigt werden müsste. 

Allerdings: Diese Torsteuerungsvariante erlaubt jeweils für die Zeit der Steuerung (mehrere Stunden zu Beginn der Flutphase) keine Schiffspassagen. Die Dauer der Sperrung ist eine Frage der Optimierung der Schiffbarkeit einerseits und Wirkung dieser Variante auf den Schwebstoffeintrag andererseits. Deswegen läuft derzeit eine gutachterliche Bewertung der Auswirkungen auf den Schiffsverkehr. Sie soll bis Ende 2016 vorliegen.

Aktueller Stand:

  • Machbarkeitsstudie in Arbeit, soll Ende 2016 vorliegen.
  • Gutachten zu Auswirkungen auf die Schifffahrt in Arbeit, soll Ende 2016 vorliegen.