Gemeinsam
gegen den Schlick

Gemeinsam
gegen den Schlick

Bund und Land entwickeln
„Flexible Tidesteuerung“

Bund und Land haben sich auf ein gemeinsames technisches Modell verständigt, um der Verschlickung der Ems den Kampf anzusagen: Mit den Toren des Emssperrwerks soll künftig die Tide so beeinflusst werden, dass der Ebbstrom mehr Sediment aus der Ems herausbefördert als der derzeit dominierende Flutstrom in den Fluss hineintransportiert. Die grundsätzliche Machbarkeit der „Flexiblen Tidesteuerung“ wurde in zwei Machbarkeitsstudien erwiesen, die die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) und der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit der Unterstützung renommierter Fachgutachter verfasst haben. Auf dieser Grundlage hat der Lenkungskreis des Masterplans Ems 2050 am 25. Januar 2017 die Vorarbeiten für ein Zulassungsverfahren in Auftrag gegeben, das eine genehmigungsfähige Detailplanung ergeben soll. Die Vertragspartner erwarten einen Start der Tidesteuerung im Jahr 2020.

Zuvor hatten Bund und Land unterschiedliche Modelle verfolgt. Die Sohlschwelle des Bundes sollte das Niedrigwasser anheben, der NLWKN wollte den Flutstrom bremsen. Nun wird von beiden Seiten ein Konzept favorisiert, das vor allem den Flutstrom beeinflusst, weil so die größtmöglichen Effekte erzielt werden könnten. Es bleibt aber auch eine Variante erhalten, mit der das Niedrigwasser angehoben wird. Das Konzept beinhaltet viele Steuerungsmöglichkeiten, um auf alle Situationen an der Ems flexibel reagieren zu können – so etwa auf die Anforderungen von Binnenentwässerung und Schifffahrt. Ein Betriebsplan soll im öffentlich-rechtlichen Zulassungsverfahren entwickelt werden, an dem alle Betroffenen beteiligt werden.

Schon im Vorfeld des Verfahrens hat die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes Gespräche mit Vertretern der Schifffahrt, Hafenbetreibern und hafenaffinen Unternehmen aufgenommen. Wegen der Schließzeiten des Sperrwerks wird es zu Beeinträchtigungen der Schifffahrt auf der Ems kommen. In den Gesprächen sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, diese Einschränkungen zu minimieren und gleichzeitig die Wirksamkeit der Schlickbremse zu sichern.

Die Modellberechnungen der Bundesanstalt für Wasserbau sagen voraus, dass die Räumwirkung der flexiblen Sohlschwelle auf den Schlick in der Ems bis zur Knock reicht, also über Emden hinaus. Wenn die Planungen erfolgreich abgeschlossen sind, wird nach derzeitigem Wissensstand der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) zum ersten Mal ein Sturmflutbauwerk planmäßig und dauerhaft zur Beeinflussung der Tide in einem Flusslauf eingesetzt. Das Sperrwerk muss für diese Aufgabe nicht baulich verändert werden, allerdings muss die Sohle des Flusses ober- und unterhalb des Bauwerks durch eine Sohlsicherung aus Steinen verstärkt werden, um Erosion zu verhindern. Über die Verteilung der voraussichtlichen Gesamtkosten von rund 30 bis 40 Millionen Euro auf Land und Bund wird eine Verwaltungsvereinbarung ausgehandelt.

Die jetzt getroffene Entscheidung führt zwei der drei Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässergüte zusammen, für die die Vertragspartner im März 2015 Machbarkeitsstudien in Auftrag gaben: Eine Sohlschwelle am und die Tidesteuerung mit dem Emssperrwerk. Um möglichst rasch zu den erhofften Ergebnissen zu kommen, einigten sich die Vertragspartner des Masterplans Ems 2050 darauf, die Planfeststellungsverfahren einzuleiten, bevor die für Ende 2018 erwartete Machbarkeitsstudie für die Tidespeicherbecken am Emslauf – die dritte Verbesserungsmaßnahme - vorliegt. Sollten sich die Tidespeicherbecken als machbar und wirksam erweisen, sind sie mit der flexiblen Tidesteuerung kombinierbar. Zudem sei die zu erwartende Minimierung des Schlicks in der Ems positiv für die geplante Anlage von Lebensräumen in Tidepoldern am Emslauf. Sie würden nicht so schnell wieder zuschlicken wie unter den gegenwärtigen Bedingungen.

 

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Die hier nun öffentlich verfügbaren Dokumente sind Machbarkeitsstudien und Gutachten. Letztere dienten den Verfassern der Studien als Unterstützung für ihre Einschätzungen. Die Einzelgutachten sollten daher nicht isoliert betrachtet werden, sondern mit Blick auf ihre Auswertung in den Machbarkeitsstudien.

Wichtig: Es handelt sich bei den vorliegenden Papieren nicht um Planungen, die realisiert werden, sondern um den Nachweis der grundsätzlichen technischen Machbarkeit und in Modellrechnungen bestätigten Wirksamkeit der „Flexiblen Tidesteuerung“. Zurzeit werden Unterlagen für Planfeststellungsverfahren erstellt, in deren Verlauf unter Beteiligung der Öffentlichkeit und aller Betroffenen in einem rechtsstaatlichen Verfahren eine genehmigungsfähige Detailplanung erarbeitet wird.