Ökologie

Ökologie

Die ökologischen Ziele der Emsregion

Der ökologische Zustand der Ems ist schlecht. Das Wasser enthält wenig Sauerstoff, viel Schwebstoffe und zu viel Salz. Dieser Zustand ist unter anderem eine Folge der seit den 80er Jahren erfolgten Flussvertiefungen, die den Tidehaushalt so durcheinander gebracht haben, dass die Ems aus eigener Kraft die mit jeder Flut einströmende Schlickmenge nicht mehr mit der Ebbe austragen kann. Typische Flussufer-Biotope wie Auwälder, Röhricht und Watt mit Prielen sind vielerorts verschwunden, andernorts bedroht, weil die Ems begradigt und befestigt wurde und damit naturnahe Uferzonen vernichtet wurden.

Es besteht also Handlungsbedarf, zumal auch die EU-Kommission mit einem so genannten "Pilotverfahren" deutlich gemacht hat, dass sie die Verletzungen diverser europäischer Umweltnormen nicht dauerhaft hinnehmen wird – und damit das Land Niedersachsen in die Pflicht nimmt, den Zustand zu verbessern.

Im Masterplan Ems 2050 sind daher von den Vertragspartnern konkrete Maßnahmen verankert worden, die Gewässergüte und Lebensräume verbessern sollen. Die EU-Kommission hat daher das Pilotverfahren zunächst eingestellt, will aber nun halbjährlich über die Fortschritte an der Ems informiert werden. Das angedrohte Vertragsverletzungsverfahren vor dem Europäischen Gerichtshof mit möglichen hohen Strafen ist also nicht endgültig vom Tisch.

Vor allem die Gewässergüte bereitet Sorge. Eine Wolke gelösten Schlicks treibt mit Ebbe und Flut im Fluss hin und her und macht in Verbindung mit Sauerstoffmangel und erhöhten Salzgehalten vielen Wassertieren und -pflanzen das Leben schwer bis unmöglich, vor allem im Sommer. Mikrolebewesen, die die organischen Anteile des Schlicks verwerten, verbrauchen dafür den im Wasser gelösten Sauerstoff.

Um dieses Problem zu lösen, sind mehrere Verfahren in der Begutachtung. Am Emssperrwerk soll eine Tidesteuerung installiert werden, die durch eine Sohlschwelle oder technische Regulierung der Strömungsverhältnisse den Schlickeintrag bremsen soll. So genannte Tidepolder, also neu ausgebaggerte Becken am Rande des Flusses, sollen Wasser und Schlick aufnehmen. Der Abfluss aus den Poldern soll den Ebbstrom zeitversetzt verstärken und so den Schlick ausspülen helfen.

Aber nicht nur das: Unter der Zielsetzung „Dem Fluss mehr Raum geben“ sollen durch gezielten Flächenankauf und die Einrichtung von Poldern an den Ufern der Ems „ästuartypische Lebensräume“ wie Tideauwald, Röhricht und Watt mit Prielstrukturen entstehen. Durch die Neuanlage solcher durch die Tide beeinflusster Gebiete entlang des Flusslaufs soll der Verlust solcher Lebensräume ausgeglichen werden, um Flora und Fauna die Chance zu geben, sich zu erholen oder sich wieder anzusiedeln. Dabei geht es laut Masterplan Ems um 500 Hektar bis 2050. Als Ersatz für die im Vorland beanspruchten Grünlandflächen werden im Binnenland bis 2050 zusätzlich rund 200 Hektar Wiesenvogellebensraum geschaffen. 

Während der Laufzeit des Masterplan Ems 2050 sollen zudem Bauwerke, die heute Fische und andere Tiere beim Wandern in Nebengewässer der Ems behindern, durchgängiger gestaltet werden.

Bildrechte: NLWKN, Foto: Hans-Jürgen Zietz