Erneut Veränderung des Bodenverbringungskonzepts Coldemüntje

Masterplan Ems: Aufbringung auf landwirtschaftliche Flächen nicht machbar - NLWKN legt Alternativkonzept vor – Nur ein Drittel der ursprünglich geplanten LKW-Fahrten nötig

Aushub aus dem geplanten Masterplan-Tidepolder Coldemüntje kann entgegen den Hoffnungen der Planer aus dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) nicht zur Verbesserung der Bodenqualität auf landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe der Baustelle genutzt werden. Das teilte jetzt ein Sprecher der Geschäftsstelle „Masterplan Ems“ beim Amt für Regionale Landesentwicklung Weser-Ems mit.

Das nach Kritik der Gemeinde Westoverledingen und von Anliegern überarbeitete Bodenverbringungskonzept für die Baustelle hatte vorgesehen, rund 120.000 Kubikmeter Klei (35 Prozent des Gesamtaushubs) auf Landwirtschaftsflächen direkt am Polder aufzubringen, um LKW-Fahrten durch die Deichdörfer zu vermeiden. Ein zur Vorbereitung dieser Maßnahme in Auftrag gegebenes Gutachten der Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat aber inzwischen ergeben, dass der Aushub die Qualität der Böden auf den dafür vorgesehenen Flächen nicht verbessert. Daher hat die Landwirtschaftskammer die Ablagerung auf den Flächen abgelehnt.

Der Grund: Der Aushub überschreite in Kombination mit den Werten der zur Ablagerung vorgesehenen Flächen gesetzlich vorgegebene Grenzwerte für an der Ems natürlich vorkommende Bodeninhaltsstoffe. Zur Bodenverbesserung hätte der Aushub die Werte des Grünlands deutlich senken müssen. Auch der Stickstoffgehalt des Materials hätte aus Sicht der kürzlich verschärften Düngeverordnung dem Ziel einer Bodenverbesserung widersprochen. Für die Bodenverbesserung direkt am Polder waren rund 35 Prozent des Gesamtaushubs von 340.000 Kubikmeter vorgesehen, für die nun eine neue Lösung gefunden werden musste. Für die Verwendung als Material für den Deich- oder Wegebau ist der Aushub uneingeschränkt nutzbar.

Die neuen Pläne sehen vor, ein Zwischenlager neben der bestehenden Sanddeponie der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (direkt neben der Baustelle) zu errichten. Dort kann das Material abtrocknen und anschließend im Deich- und/oder Verkehrswegebau verwendet werden. Somit wird es trotz aller Bemühungen wieder zu LKW-Fahrten kommen, die aber frühestens in ca. zwei Jahren nach Baubeginn des Polders beginnen. Der Abtransport des Bodens richte sich nach der Nachfrage im Deichbau und für sonstige Projekte, so der Sprecher. Dennoch bleibt es bei einer Reduzierung der im Ursprungskonzept vorgesehenen LKW-Fahrten – und zwar um rund 65 Prozent. Das wird erreicht, indem rund 40 Prozent des Aushubs im Polder verbleiben und 25 Prozent für die Erhöhung der Deichberme von Coldemüntje bis Völlen genutzt werden.

Der im Polder verbleibende Teil dient der Gestaltung des Geländes, um das Naturerleben zu fördern (Aussichtspunkte, Rundwanderweg). Der erste Naturschutzpolder des Masterplans Ems wird so für Menschen viel besser erlebbar als noch in den ersten Planungen und kann somit in die touristische Infrastruktur der Gemeinde eingebunden werden. Rund 25 Prozent des Aushubs werden direkt in eine Bermenerhöhung des Deiches zwischen Coldemüntje und Völlen gehen. Für diese Maßnahme der Overledinger Deichacht hat der NLWKN die Planung übernommen, um die Verzahnung der Baumaßnahmen zu optimieren.

Die auch aus Sicht des NLWKN erforderliche Minimierung der Belastung von Anliegern soll in Gesprächen mit der Gemeinde und dem Landkreis noch thematisiert werden. Zum jetzigen Zeitpunkt geht der NLWKN davon aus, dass die Zwischenlagerfläche rund zehn Jahre bestehen wird. Die Fläche wurde inzwischen vertraglich abgesichert. Eine Straßenanbindung über Kreis- und Bundesstraßen ist gewährleistet. Die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren beim Landkreis Leer sollen im Frühjahr 2018 eingereicht werden. Die Fertigstellung des Polders ist für 2020 geplant.

Ähnlich wie der Holter Hammrich im Leda-Jümme-Gebiet soll der Tidepolder Coldemüntje durch Aussichtplattformen und erklärende Schilder erlebbar werden und so auch Touristen anziehen.