Tidespeicherbecken Vellage wird vorerst nicht gebaut

Lenkungskreis reagiert auf veränderte Sachlage durch Tidesteuerungs-Beschluss – Stapelmoor soll Süßwasserpolder werden

Die Pläne für das Masterplan-Projekt „Pilot-Tidespeicherbecken Vellage“ werden zunächst nicht weiter verfolgt. Der Lenkungskreis des Masterplan Ems 2050 hat jetzt einstimmig beschlossen, das bereits beschlossene Projekt bis auf weiteres auszusetzen. Das teilte die Geschäftsstelle des Masterplans Ems beim Amt für Regionale Landesentwicklung in Oldenburg mit.

Im Masterplan Ems 2050 waren die Tidesteuerung am Sperrwerk und der Einbau einer Sohlschwelle am Emssperrwerk sowie die Tidespeicherbecken als gleichberechtigte Lösungsansätze untersucht worden, um die Gewässerqualität der Ems zu verbessern. Nachdem die Ergebnisse der Machbarkeitsstudien zur Tidesteuerung und zur Sohlschwelle zum Jahresende 2016 vorlagen, hatte der Lenkungskreis im Januar 2017 beschlossen, beide Maßnahmen zusammen zu führen und als „Flexible Tidesteuerung“ umzusetzen.

Die Machbarkeitsstudie für Tidespeicherbecken zur Verbesserung des Gewässerqualität sollte – so sieht es der Masterplan Ems 2050 vor - bis Ende 2018 fertigestellt werden. Der Tidespeicher in Vellage war für einen zweijährigen Testbetrieb als Naturversuch vorgesehen und sollte über entsprechende Messreihen Daten zur Klärung der Frage liefern, ob Tidespeicherbecken auch langfristig zur Verbesserung der Wasserqualität in der Ems beitragen können. Die Kosten für die dafür geplante Ausbaggerung eines alten Emsarmes bei Vellage waren mit 8 bis 10 Millionen Euro veranschlagt worden. Es sei zunehmend zweifelhaft, ob der Aufwand für den Bau des Beckens nach der grundsätzlichen Entscheidung, das Schlickproblem der Ems zunächst mit der „Flexiblen Tidesteuerung“ anzugehen, in einem tragbaren Verhältnis zu den zu erwartenden Erkenntnissen stehen, hieß es zur Begründung der jetzigen Lenkungskreisentscheidung.

Speicherbecken sollen als ergänzende Maßnahme untersucht werden. Die erforderliche Lage und Größe dieser Tidespeicher hängt davon ab, inwieweit die Ziele Schlickreduzierung und Verbesserung der Gewässergüte bereits mit der „Flexiblen Tidesteuerung“ erreicht werden können. Die Machbarkeitsstudie kann unter den aktuellen Randbedingungen auch ohne die Naturdaten aus dem Pilotspeicher im erforderlichen Umfang fertiggestellt werden.

Zunächst soll nach dem jetzigen Beschluss des Lenkungskreises anstelle des Speicherbeckens Vellage ein dauerhafter Polder zur Entwicklung ästuartypischer Lebensräume an der Ems oberhalb von Papenburg angelegt werden. Erste Untersuchungen zum Standort laufen.

Zugleich beschloss der Lenkungskreis, die Planungen für einen Tidepolder in Stapelmoor bei Weener zu ändern. Wegen einer möglichen Beeinträchtigung der Trinkwassergewinnung im Wasserwerk Weener durch einen an die Ems angeschlossenen Polder soll dort ein Süßwasserpolder entstehen, der allein aus Regenwasser gespeist wird. Wenn sich die Qualität des Emswassers verbessert hat, könne der Polder für die Tide geöffnet werden. Mit der Planänderung folgte der Lenkungskreis einer Empfehlung aus der Machbarkeitsstudie des NLWKN (http://www.masterplan-ems.info/massnahmen/tidepolder-stapelmoor).

 

Zum Hintergrund:

Der Lenkungskreis ist das höchste Gremium des Masterplans Ems 2050. Ihm gehören die Vertreter der Vertragspartner Land Niedersachsen, Bundeswasserstraßenverwaltung, BUND, NABU und WWF, Landkreise Emsland und Leer, Stadt Emden und der Meyer Werft an. Beschlüsse des Lenkungskreises ersetzen keine öffentlich-rechtlichen Planverfahren. Die Projekte des Masterplans können daher erst nach einem erfolgreichen Abschluss der gesetzlich vorgeschriebenen Verfahren umgesetzt werden.

Bei den Poldern am Emslauf wird unterschieden zwischen „Tidespeicherbecken zur Verbesserung der Wasserqualität“ (Pilotprojekt Vellage) und Tidepoldern zur Wiederherstellung von Lebensräumen, wie sie an Tideflüssen und ihren Mündungen (Ästuaren) natürlicherweise vorkommen (Coldemüntje, Stapelmoor).